Sonntage können zäh sein, wenn man nichts vorhat.
Diesmal nicht. Am 08.12 zum zweiten Advent hatten wir Karten für den „Stammtisch“, einen Business-Bereich im Westfalenstadion. Die Firma Simply Energie aus Hiddenhausen hatte uns eingeladen. Vielen Dank auch nochmal an dieser Stelle dafür an Stefan Dressler. Wir hatten einen richtig tollen Tag.
Beim Betreten: Warme Lichter, freundlich gedeckte Tische, hervorragendes Catering, sehr guter Service und Menschen, die sich auf das Spiel einstimmen. Man merkt schnell, dass hier viele nicht zum ersten Mal sind, alles wirkt eingespielt. Für uns dagegen war alles neu.
Das Stadion selbst wirkt schon von außen wie eine eigene Welt. Diese gelben Pfeiler, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, stehen plötzlich leibhaftig vor einem. Drinnen dann der Moment, in dem man die Stufen hochgeht und sich der Innenraum öffnet: Rasen, Flutlicht, Tribünen, ein Summen aus Stimmen. Auch wenn man es tausendmal im TV gesehen hat, live ist es etwas anderes.
Bisher waren wir nur zu Gesprächen hier, in einem leeren Stadion. Das hat eine eigene, fast sachliche Wucht. Aber voll besetzt ist es ein anderes Kapitel. Die Südtribüne, die berühmte „Gelbe Wand“, wirkt eher wie ein lebendiger Organismus als wie eine Tribüne. Fahnen, Schals, Choreos, ein permanentes Wogen.
Spätestens bei „You’ll Never Walk Alone“ versteht man, warum so viele von Gänsehaut reden. Das ist kein eingespielter Song aus der Konserve, sondern ein Chor aus Tausenden Kehlen. Erst setzt die Musik ein, dann übernehmen die Ränge. Einzelne Stimmen verschwinden in einem großen Klangteppich. Man muss den Text nicht auswendig können, um sich davon mitnehmen zu lassen. Man steht einfach da, hört zu, lässt das auf sich wirken.
Das Spiel selbst war „eingermaßen gut“, sagen wir es so. Chancen, Fehler, Jubel, Frust, alles dabei. Aber im Rückblick ist das fast zweitrangig. Was bleibt, ist die Mischung aus Atmosphäre, Nähe zum Spielfeld und diesem Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein, auch wenn man objektiv nur auf einem Reihe 20 Platz 36 und 35
Für Anja und mich war es das erste Mal als Zuschauer im vollen Westfalenstadion. Und ja, der Unterschied ist klar. Gespräche in einem leeren Stadion sind spannend, weil sie Raum geben für Inhalte. Ein volles Stadion dagegen zeigt, worum es am Ende immer geht: Menschen, Emotionen, Gemeinschaft. Und mittendrin ein Spiel, das all das bündelt. Wir kommen gerne wieder.

