𝟬6 𝘃𝗼𝗻 𝟮𝟰 : „Wenn er rauskommt muss er ihn haben“
Aztekenstadion, 1986, Mexiko WM Finale:
Freistoß von der rechten Seite von Burruchaga, hohe Hereingabe an den zweiten Pfosten. Toni Schumacher entscheidet sich rauszukommen, verschätzt die Flugbahn komplett und Brown köpft ins praktisch leere Tor zum 1:0.

„Wenn er rauskommt, muss er ihn haben“, so habe ich den Satz zum ersten Mal erlebt. Diesen Satz nehmen wir in „Sprüche mit Pfiff“ auf, weil er in solchen Momenten verlässlich immer wieder fällt.
In unserer Edition sind nicht einfach irgendwelche Figuren zu sehen.
Wir haben unser eigenes Ensemble entwickelt. Charaktere mit Namen, Biografien und klaren Rollen. Dieses Team kehrt in den verschiedenen Sprüchen immer wieder, spielt die Szenen, gerät aneinander, stolpert, jubelt, diskutiert. So entsteht eine kleine, akribisch und mit viel Liebe zum Detail aufgebaute Welt, in der sich die Sprüche bewegen. So zum Beispiel Ben, genannt „Katze“, unser Keeper, der seine Rolle wie folgt interpretiert:
„Ich bin der Letzte, der noch helfen kann und der Erste, der’s ausbaden muss. Ich sag mal so: Wer immer nur auf der Linie bleibt, wird nie fliegen lernen. Und das gilt auch genauso außerhalb des Platzes.“
Im Fußball wie im Leben gilt
Wer rauskommt, trifft eine Entscheidung. Wer die Linie verlässt, riskiert etwas. Er oder sie riskiert, sich zu blamieren, falsch zu liegen, danebenzugreifen. Aber die Entscheidung ist getroffen, und dann gibt es auch kein Weg zurück mehr. Ist das so?
Ein Torwart oder ein Unternehmer, der die Linie verlässt, übernimmt Verantwortung, macht sich sichtbar, gibt eine Richtung vor.
Urs Meier erklärt es regelmäßig Führungskräften in seinem Vortrag „Du bist die Entscheidung“, wie es ist, eine Entscheidung zu treffen und sie durchzuziehen. Business-Vordenker wie Dr. Peter Kreuz formulieren es ähnlich, wie ich in einem seiner Beiträgegelesen habe: „Worauf wartest du noch? Mach den Schritt, stürz dich rein. Das Gefecht ist der beste Lehrmeister.“
„Wenn er rauskommt, muss er ihn haben“ erzählt allerdings nur die halbe Wahrheit, weil er Mut zur Entscheidung ausschließlich am Ergebnis misst. In der Realität gibt es Zeitdruck, Gegenwind und Zufall, und manchmal ist die Entscheidung richtig, auch wenn der Ball am Ende im Netz zappelt. Vielleicht sollten wir den Satz deshalb umformulieren: Nicht, wer rauskommt, muss ihn haben, sondern: „Wer rauskommt, verdient Respekt.“
Eine außergewöhnliche Edition. Pflicht für jeden Fußballfan.

